Kreismarketing fängt wieder bei Null an

Bild Kreismarketing fängt wieder bei Null an(Döbeln/12.02.2011)

Eine Regionalmanagerin soll die Wirtschaft im neuen Kreis vernetzen. Die hat aber bereits Netzwerke - in den alten Grenzen.

Das Landratsamt verfügt jetzt über eine Marketingabteilung für den Landkreis: Gestern stellte der erste Beigeordnete des Landrates, Manfred Graetz, der Presse die Leiterin des neu eingerichteten Regionalmanagements Mittelsachsen vor: Das Amt übernahm die Wirtschafts-Mineralogin Kerstin Adam-Staron. Sitz des Regionalmanagements mit zwei Mitarbeitern ist die Außenstelle des Landratsamtes in Döbeln.

Die Freibergerin Adam-Staron möchte dabei helfen, eine mittelsächsische Identität zu identifizieren. Im Übrigen konzentrieren sich die Ziele sehr auf Wirtschaftsförderung: Erwartungen von Führungs- und Fachkräften an die Unternehmen und die Region erfassen, Alleinstellungsmerkmale der mittelsächsischen Wirtschaft finden, Fachkräftebedarf ermitteln, Werbung für den Standort Mittelsachsen machen. Besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Vernetzung von Firmen der Region miteinander sowie mit Hochschulen und Arbeitsagenturen, sagte Adam-Staron. Sie wird also viel reden, werben, vermitteln und tagen.

Die Einrichtung eines mittelsächsischen Regionalmanagements stößt bei der hiesigen Wirtschaft nicht nur auf Gegenliebe. Denn bis zur Kreisreform existierte bereits ein Regionalmanagement für die Region Döbeln sowie angrenzende Nachbarkreise. Die Netzwerke und die aufgebauten Kontakte bestehen zum Teil fort. Das ehemals für den Kreis Döbeln zuständige Regionalmanagement Westsachsen mit Sitz in Grimma führt seine Arbeit weiter. Formal ist Döbeln seit der Kreisreform nicht dabei, einige Unternehmen der Region arbeiten jedoch weiterhin in den westsächsischen Netzwerken mit.

Überredungskunst gefragt

"Wir investieren alle Geld und Zeit. Ob ich mit einer neuen Stelle, die vielleicht in wenigen Jahren wieder eingestampft wird, neu zusammenarbeiten möchte, weiß ich noch nicht", erklärte eine Unternehmerin aus der Region Döbeln, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Mit ihrer Firma ist sie nach wie vor in Westsachsen engagiert. "Im Zweifel muss man zum Wohle der Unternehmen entscheiden. Kreisgrenzen sollen Firmen nicht daran hindern, dort mitgenommen zu werden, wo sie sich aufgehoben fühlen", erklärte die ehemalige Leiterin des Regionalmanagements Westsachsen Petra Gärtner, die mittlerweile eine andere Arbeitsstelle in Leipzig hat. Sie will ihre Aussage als Privatmeinung verstanden wissen.

Adam-Staron betont, gewachsene Kooperationen müssten nicht abgebrochen werden. "Ich kann die Vorbehalte der Unternehmen nachvollziehen. Aber jeder muss sich mit den Ergebnissen der Verwaltungsreform arrangieren. Es ist jetzt nun einmal so", sagte die mittelsächsische Regionalmanagerin.

Das sächsische Wirtschaftsministerium fördert das Regionalmanagement für drei Jahre mit insgesamt 600000 Euro. Ein Viertel dieser Summe bringt zusätzlich der Landkreis auf. Das Projekt kann zwei Mal um je drei Jahre verlängert werden.

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